Zur Sicherheitslage in Marokko (Stand November 2016)

Immer wieder werde ich gefragt: Ist es sicher, nach Marokko zu reisen? Gerade jetzt, Anfang November, wo es in Marokko verstärkt zu Demonstrationen gekommen ist, nachdem ein Fischverkäufer von einem Kipplaster getötet wurde. Natürlich kommen da bei einigen Ängste hoch und der Gedanke: Das ist der Beginn eines marokkanischen Frühlings. Viele aber vergessen dabei, dass Demonstrationen Zeichen einer gesunden Demokratie sind. In welchem anderen arabischen Land darf man denn sonst so offen gegen Polizeiwillkür demonstrieren, ohne gleich dafür bestraft zu werden? Außerdem hinken die deutschen Berichterstatter der Wirklichkeit genau zwei Tage hinterher. Denn vor Ort sind die Proteste schon wieder stark zurück gefahren. Nicht zuletzt aufgrund des klugen Handelns des Königs, der sofort zwei Minister nach Al Hoceima schickte und alles erforderliche tat, um die Verantwortlichen zu bestrafen. Wahrscheinlich hat es einfach auch wieder einmal so einen schlimmen Vorfall gebraucht, um gegen Missstände im Land vorzugehen. Denn von alleine klappt ja - bekanntermaßer nirgendwo - nichts. Man geht nun das Problem der Polizeiwillkür in Marokko an. Ein weiterer wichtiger Schritt in eine sichere Zukunft Marokkos.

Dennoch - oder auch ganz unabhängig davon werde ich nach wie vor mit Aussagen konfrontiert wie: Marokko ist doch total gefährlich, da reise ich nicht hin….

Oder schlimmer: In ein muslimisches Land reise ich zurzeit nicht…

Und sehr gerne möchte ich hierzu ganz allgemein einmal Stellung beziehen und aus einer Mail zitieren, in der ich gefragt wurde, ob man bedenkenlos nach Marokko reisen kann (eine gute, sachliche Frage, die ich zu schätzen weiß, weil der Fragesteller neutral fragt statt mit Halbwahrheiten um sich zu werfen):
Ich habe neben meiner Arbeit für TourSerail diverse Buchprojekte unternommen und war deshalb in den letzten beiden Jahren insgesamt über 10 Mal in Marokko. Immer mit Kind. Vielleicht dies einfach mal voraus. Denn es lässt gleich erkennen, dass Marokko sicher ist. Sonst würde ich mein Kind ganz sicher nicht mitnehmen oder mich selbst gefährden und damit mein Kind zum Waisen machen.
Auch hatte ich in letzter Zeit immer Kunden in Marokko (TourSerail wurde Gott sei Dank von der großen Krise, die viele Veranstalter für Marokkoreisen hatten verschont - ich denke, weil die Leute wissen, dass sie bei mir in guten und sicheren Händen sind), die wie Sie individuell durch das Land gereist sind, im letzten Frühjahr erstaunlich viele, die sogar eine Kameltour gemacht haben, also ganz im Süden nahe der algerischen Grenze waren. Alle sind glücklich und positiv nach Hause gekommen.
Und ja: Politisch ist viel geschehen. Weltweit. Und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich habe sowohl meine geplante USA-Reise verschoben als auch eine Paris-Reise. Ich habe Montpellier weit umfahren und nicht, wie geplant, in Nantes gehalten. Warum? Weil auch ich von Angst geprägt bin, wie wohl die allermeisten in diesen Zeiten. Aber meine Angst ist in Frankreich riesengroß. Und in den USA. Außerdem haben wir derzeit keinerlei Tunesien-Reisen mehr im Programm und auch Jordanien beschränkt sich auf ein Minimum.
Nicht so Marokko. Und das hat einen ganz klaren Grund: Marokko ist sicher. Sicherer als alle anderen Länder Nordafrikas, ja, vielleicht sogar sicherer als alle Länder rund um das Mittelmeer - das wage ich jetzt einfach mal zu behaupten. Denn Marokkos König ist schlau, fürsorglich und sorgt mit seiner Politik dafür, dass es wenig Unruhe überhaupt gibt. Natürlich gibt es auch einen sehr engen Überwachungsapparat - in die Wüste darf man nur noch mit Passkontrolle und so weiter. Aber im Land ist es ruhig. Es gab bereits 2011 eine Verfassungsänderung, es gab freie Wahlen, gerade die religiösen Zentren werden streng überwacht und jeder, durch radikale Meinungen oder Gewaltbereitschaft auffällt, wird verhaftet. Tatsächlich bin ich 2015 und 2016 durch das ganze Land gereist - von der algerischen Grenze, entlang des Rifgebirges bis ganz in den Süden. Alleine rund um das Rifgebirge habe ich mich unwohl gefühlt, wegen der Haschischpolitik dort. Aber ich habe - seit Bestehen meiner Tätigkeit als Veranstalterin 1999 - auch noch nie Reisen ins Rifgebirge angeboten und werde es weiter nicht tun.
Was die Medien betrifft - so ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass selbst Frau Merkel Marokko als "sicher" eingestuft hat und mit Reisen nach Marokko wirbt. Michele Obama war mit ihren Töchtern gerade erst in Marrakech und zig Hollywood-Stars machen regelmäßig Ferien dort. Cristiano Ronaldo hat ein Haus in Marrakech und eröffnet gerade sein Hotel - er täte dies ganz sicher nicht, wenn Marokko gefährlich wäre.
Junge Männer, vor allem ungebildete, fallen derzeit überall negativ auf. Weltweit. Sie rufen Parolen aller Art. Sie pöbeln und belästigen, wie Nordafrikaner in Köln in der Silvesternacht oder Neonazis im Osten. Ja, ich werfe sie ganz bewusst in einen Topf. Aber man darf von ihnen nicht auf ein Volk schließen. Weder sind alle Nordafrikaner wie die in Köln noch sind alle Deutschen wie die Neonazi-Brüller. Verstehen Sie, was ich meine? Deshalb ist das Bild in den Medien ein Zerrbild, je nachdem, was die Redakteure gerne sagen möchten. Neutral berichtet wird eigentlich nie.
Bei Unsicherheit können Sie sich an die Aussagen des Auswärtigen Amtes wenden (www.auswaertiges-amt.de) - doch selbst die zeichnen ein Bild von Marokko, was weit gefährlicher scheint als die Wirklichkeit ist. Eine sehr gute, realistische Gegendarstellung stammt von Erika Därr, meiner Kollegin und guten Bekannten. Sie finden sie hier: http://trekking-marokko.de/offener-brief-von-erika-darr-ub…/
So, ich denke, ich habe Ihnen nun sagen können, was ich wichtig finde. Aber grundsätzlich sollten Sie einfach nach Ihrem Bauchgefühl entscheiden: Wer mit Angst reist, wird ganz sicher keine schöne Reise haben. Da er misstrauisch unter jedem Stein eine Bombe suchen wird - oder einen Skorpion :-).
Ich selbst reise nach wie vor, ständig und immer wieder. Und war ich drei Monate nicht in Marokko, zieht es mich unweigerlich wieder dorthin. Und so werde ich mit Kind und Kegel (oft nehme ich nämlich auch noch die Kinder von Freundinnen mit) immer weiter reisen - zumindest solange die Situation so ist, wie jetzt.
Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute und freue mich, wenn ich wieder von Ihnen höre!
Muriel Brunswig-Ibrahim im September 2016